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Mit Plastikrohr auf dem Rücken gegen den Erdbeerqualm | Freiwillige Feuerwehr Markt Thalmässing

Mit Plastikrohr auf dem Rücken gegen den Erdbeerqualm

Jugendfeuerwehren proben in einer aufwendigen Übung gemeinsam für den Ernstfall

In einer großangelegten Einsatzübung haben am vergangenen Mittwochabend die drei Jugendfeuerwehren der Marktgemeinde gemeinsam ein Schreckensszenario bekämpft. Bei einem simulierten Wohnhausbrand retteten sie sechs Kinder und löschten das Feuer.

„Brand eines Wohngebäudes mit mehreren vermissten Personen!“ – so übergab Florian Schneider, Jugendwart der Feuerwehr Thalmässing, den rund vierzig Jugendlichen aus Thalmässing, Eysölden und Offenbau ihre gewaltige Übungsaufgabe. Gemeinsam mit den Jugendwarten Siegfried Steckert aus Offenbau und Werner Barth aus Eysölden hat er eine Großübung organisiert, um die Zusammenarbeit zu proben und die drei erfolgreichen Jugendmannschaften vor neue Herausforderungen stellen. 28 neue Mitglieder haben die Jugendgruppen aus Thalmässing und Offenbau im vergangenen Jahr gewinnen können. Denen wolle man auch etwas bieten und gleichzeitig eine gute Ausbildung gewährleisten, lautete Schneiders Intention.

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 Schon nach wenigen Minuten quollen am Einsatzort dann auch die ersten Rauchschwaden aus den Oberlichtern im zweiten Obergeschoss des leer stehenden Grundschulgebäudes. Mit der Unterstützung einiger aktiver Feuerwehrler mussten die Jugendlichen alle nötigen Schritte selbst einleiten. Wasserversorgung, Angriffstrupps, Atemschutz, Steckleiter, Lüfter und Sanitätsdienst mussten parallel aufgebaut werden. An den kritischen Stellen halfen die Profis mit: „Hier stellst du die Uhr auf zwanzig Minuten, dann fragst du nach der Lage“, erklärte Andreas Stoll Jan Kremer das Vorgehen bei der Atemschutzüberwachung. Als sich die einzelnen Gruppen gerade in ihre Aufgaben eingearbeitet hatten, erlaubte sich Florian Schneider, etwas Panik zu verbreiten. Wie ein Derwisch fegte er über das gesamte Übungsgelände und schreckte seine konzentrierten Schützlinge auf: „Ja schreiben – mach was, da sind noch ein Haufen Leute drin!“, fuhr er Jan und seine Formulare an. Der ließ sich jedoch nicht ablenken und notierte ordnungsgemäß Truppführer René Hellmich und Truppmann Oliver Bauch als erste Atemschutzgeräteträger.

Mit zwei grauen Abflussrohren statt Pressluftflaschen auf dem Rücken machten sich die beiden auf in Richtung Eingangstür. „Stopp! Weit hoch heißt viel Schlauch“, hielt der beobachtende Gruppenführer Andreas Stoll sie auf und drückte den beiden Nachwuchsrettern im Vorbeigehen noch einen zweiten Schlauchtragekorb in die schwer behandschuhten Hände. Im teils verbarrikadierten Treppenhaus war die Sicht bereits schlecht. Die Nebelmaschine mit dem charakteristischen süßlichen Erdbeerdurft hatte ganze Arbeit geleistet und das zweite Obergeschoss fast vollständig eingenebelt. „Erstmal Fenster auf!“, kam die Anweisung per Funk. Kaum hatte sich der Nebel etwas gelichtet, stießen die beiden Jugendfeuerwehrler schon vereinzelt auf die versteckten Opfer. Ihre Kollegen aus der Bambiniwehr Thalmässing drückten sich hinter Mauerecken, die noch immer kaum zu erkennen waren und warteten auf ihre Retter. Ein Kind musste nach unten getragen werden, andere folgten der Anweisung im Treppenhaus: „Kommt mit runter, aber passt auf die Schläuche auf und stolpert nicht!“ Jakob war das zu einfach. Er hielt seinen Nebenmann zurück und grinste den Rettungstrupp an: „Ihr müsst uns holen“, beorderte er und verlieh seiner Forderung am Fenster Nachdruck: „Wir sind auch noch oben!“, schallte es nach unten. Katharina Renner, Betreuerin in der Bambinigruppe, gefiel diese Entwicklung und stachelte die beiden Verbliebenen zu weiteren Schandtaten an: „Los, versteckt euch ruhig nochmal.“

Erst nachdem die jugendlichen Einsatzkräfte sicher waren, alle Kinder gerettet zu haben, durften sie die Nebelquelle in Angriff nehmen. „Mensch, Tier, Umwelt, Sachwerte“, erläuterte Thomas Lederer die Rangliste bei einer Rettung. Der ausgebildete Atemschutzträger beobachtete die Jugendlichen durch den Qualm und gab ihnen Tipps. Mit der pragmatischen Lösung seines Einsatztrupps, um das Feuer zu stoppen, war er jedoch nicht einverstanden: So bekam die Nebelmaschine ihre Stromversorgung zurück und „es brennt wieder!“ Da traf es sich gut, dass auf der rückwärtigen Seite des Gebäudes mehrere Löschtrupps in Stellung gegangen waren und mit großen Fontänen die Fassade des Hauses kühlten. Drinnen hielt Lederer für die Jugendlichen eine weitere Schikane bereit: „Ihr habt keinen Sauerstoff mehr“, bestimmte er. „Gruppenführer von Atemschutz, kommen.“ – „Gruppenführer hört.“ – „Wir kommen raus“, funkten sie deshalb zu ihrer Kollegin im Hof.

Kreisjugendwart Matthias Hiltner verfolgte das Geschehen im Schulhof. „Ich bin als stiller Beobachter hier“, erklärte er und zeigte sich begeistert von den Aktionen in der Marktgemeinde. Die Nachwuchswerbung funktioniere hier ausgezeichnet, lobte er. Bei Übungen dann noch gemeinsame Sache zu machen und für den überörtlichen Ernstfall zu proben, motiviere und sei genau die richtige Strategie, befand er. „Die Jugendlichen stellen sich ihren Aufgaben wie die Großen. Vorhin hatte dort ein Mädchen noch etwas Probleme bei der Betreuung eines Verletzten, jetzt macht sie das toll“, freute er sich über den Lernerfolg.

Viel zu lernen gab es auch an den technischen Stationen, wo die Jugendlichen aus Eysölden am wasserbetriebenen Lüfter aus Thalmässing zunächst vergeblich nach dem Stromanschluss suchten oder der Eysöldener Kommandant Stefan Hellmich an seinem TSF-W den Thalmässinger Schützlingen erklärte, welche Handgriffe sich hinter der Anweisung „Strahlrohr runterdrehen auf vierzig Liter und Sprühstrahl“ verbergen. Dennoch kam der Spaß an den Stationen nicht zu kurz. Der Offenbauer Kommandant Martin Enzenhöfer wollte mit einem Augenzwinkern gar einen Folgeeinsatz „Keller auspumpen“ anordnen, nachdem die Jugend den fingierten Brand erfolgreich gelöscht hatte.

Entsprechend der vielfältigen Einsatzkomponenten bezeichnete Simon Trickl die Übung am Ende als eine „wertvolle Erfahrung“. Er war mit seinen Kollegen Christopher Tausch, Anna-Lena Eckerlein und Anna-Lena Renner in die Rolle der Gruppenführer geschlüpft. „Wir mussten unser Personal überblicken und immer wieder neu auf die Aufgaben verteilen“, beschrieben die weiblichen Nachwuchsführungskräfte ihre anspruchsvolle Aufgabe.

Bei der Abschlussbesprechung mit den rund vierzig teilnehmenden Jugendlichen stellte Hiltner auch die Leistung der örtlichen Jugendwarte heraus. Deren Engagement und zeitaufwendige Vorbereitung im Hintergrund sei äußerst wertvoll, betonte er und wandte sich mit dieser Unterstützung im Rücken an die Jugend: „Fordert eure Jugendleiter ruhig weiter, damit ihr bald fit seid für die aktive Wehr.“ Auch Florian Schneider zeigte sich zufrieden mit dem Übungsverlauf. „Hier lernt ihr sehr schnell und viel“, hatte er beobachtet. Ob eine solche Aktion regelmäßig abgehalten werden solle? Einer der potentiellen zukünftigen Atemschutzträger brachte die Zustimmung der Truppe vorsichtig zum Ausdruck: „Ja, das wär‘ auf jeden Fall nicht blöd“, bestätigte er, bevor die quirlige Meute noch einmal gemeinsam ins Gebäude stürmte, um die Zimmer zu suchen, in denen es gerade noch so gewaltig gequalmt hatte.

© Text & Bilder: Sandra Lehnert

veröffentlicht im Hilpoltsteiner Kurier am Montag, 02.06.2014

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